Problemorientiertes Lernen

Problemorientiertes Lernen ist eine besondere Form des offenen Unterrichts und schülerzentrierten Lernens. Ein Klasse wird in Kleingruppen aufgeteilt und jede bearbeitet ein Fallbeispiel. Ausgangspunkt des Problemorientierten Lernens ist also eine Problembeschreibung, d.h. ein konstruiertes oder „echtes“ Fallbeispiel. Dies dient als Ausgangslage für die Bearbeitung und Diskussion eines ausbildungsrelevanten Inhalts. Mit POL wird selbstgesteuert, anschlussbezogen, nachhaltig, transfer- und problemorientiert gelernt. Das Vorwissen der Lernenden und das forschende fallbezogene Lernen stehen im Zentrum.

POL erfordert von den TeilnehmerInnen die Bereitschaft selbstständig und selbstverantwortet zu arbeiten, sich in einer Gruppe einzubringen und das eigene Lernverhalten zu reflektieren. Die Lehrkräfte (Lernbegleiter, Tutoren) unterstützen bei Bedarf die Lernprozesse der Lernenden.

Die Bearbeitung der Problemaufgaben im POL orientiert sich an einer systematischen, schrittweisen Herangehensweise nach der so genannten „Siebensprung“-Methode (niederländisches Modell):

  1. Begriffsklärung
  2. Problemdefinition
  3. Problemanalyse
  4. Systematische Vertiefung
  5. Lernzielformulierung
  6. Selbstständiges Studium
  7. Synthese der neuen Informationen

Häufig stellt sich die Frage: Wie kann die POL-Methode unter den gegebenen Rahmenbedingungen und in Bezug auf den Lehrplan schrittweise eingeführt werden? Im schulischen Alltag muss die Methode oft modifiziert werden.

Wesentliche Kriterien hierfür sind:

  • Vorübungen: die Lernenden werden in ihrer Methodenkompetenz befähigt, die Problemaufgaben im POL-Verfahren bewältigen zu können.
  • Literatur-Vorauswahl („Reader“) plus individuelle Recherche
  • Einbindung von POL in den normalen Stundenplan
  • Modifizierung des 5. Schrittes: die Lernziele werden in Kleingruppen erarbeitet und dann in der gesamten Klasse besprochen. Dabei kommt es zur Festlegung gemeinsamer Lernziele. Somit haben die Lernenden und Lehrkräfte die Sicherheit, dass auch Lernziele im Lehrplan berücksichtigt und prüfungsrelevante Inhalte bearbeitet werden.
  • Ein zusätzlicher 8. Schritt: Arbeitsergebnisse werden in der gesamten Klasse gesichert und eine weitere Verbesserung der Methode und der Lernprozesse erörtert.

In der Regel werden fünf verschiedene Typen von Problemaufgaben unterschieden:

  • Studienaufgabe: Erwerb von Grundlagenwissen. Häufig zur Vorbereitung.
  • Klassische Problemaufgabe: Nach Erklärungen für Phänomene suchen.
  • Anwendungsaufgabe: Anwendung der erworbenen (Er)Kenntnisse. Transfer.
  • Diskussionsaufgabe: Förderung des kritischen Urteilsvermögens.
  • Strategieaufgabe: Fachlich richtige Strategie planen und überprüfen. Schritte, Maßnahmen, Problemlösung.

Vergleiche hierzu: Fischer, Renate 2004: Problemorientiertes Lernen in Theorie und Praxis. Leitfaden für Gesundheitsberufe, Stuttgart